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« Betreff: Leben » – Hans Sigl startet einen eigenen Podcast: « Relevant zu bleiben, ist heute schwieriger »: So nimmt es « Bergdoktor »-Star Hans Sigl mit der Medienwelt auf

Hans Sigl geht nun auch unter die Podcaster. Der « Bergdoktor »-Star scheut keine Gelegenheit, sich neu zu erfinden, und startet ein weiteres Herzensprojekt: einen interaktiven Podcast. Im Interview verrät er, worauf es ihm dabei ankommt und welche Gäste er zu Beginn eingeladen hat.

Seit fast 20 Jahren spielt Hans Sigl (57) die Rolle des Dr. Martin Gruber, der am Fuße des Wilden Kaisers in Tirol Bauern, Handwerker und Dorfbewohner behandelt. « Der Bergdoktor » gehört für viele fest zum Abendprogramm. Mancher Fan setzt den Schauspieler inzwischen gar mit seiner Kultrolle gleich. Um so wichtiger ist es Hans Sigl, immer wieder verschiedene Seiten von sich zu zeigen und « Allrounder » zu sein, wie er im Interview betont. Und so stürzt sich der Österreicher nun in ein neues Herzensprojekt: einen Podcast. Unter dem Motto « Das Leben stellt die besten Fragen – wir sprechen darüber! » stellt er am Mittwoch, 23. September, seinen ersten interaktiven Video-Podcast mit dem Titel « Betreff: Leben – die Sprechstunde mit Hans Sigl » vor. Anschließend erscheint jeden Mittwoch eine neue Ausgabe des Formats, das sowohl « remote » als auch am Veranstaltungsort « GROUNDLIFT » am Ammersee produziert wird, und überall dort verfügbar ist, wo es Podcasts gibt. Gemeinsam mit seinen ersten vier Gästen Katja Burkard, Jan van Weyde, Barbara Schöneberger und Paul Panzer geht er den « großen Fragen », die oft hinter kleinen Themen stecken, auf den Grund.

teleschau: Herr Sigl, hören Sie selbst gerne Podcasts?

Hans Sigl: Ja, ich höre querbeet Podcasts. Zu meinen Favoriten gehört « Apokalypse & Filterkaffee ». Zu Gast bin ich beispielsweise gerne bei « Hotel Matze ». Früher war Radio mein Steckenpferd. Im Prinzip ist ein Podcast doch nichts anderes als eine aufgezeichnete Radiosendung. In meinem Berufsleben hat mir seitdem zwar nichts gefehlt. Immerhin bin ich mit meiner Rolle als « Der Bergdoktor » ebenso zufrieden wie mit der Moderation von Veranstaltungen wie der « Starnacht am Wörthersee ». Jetzt geht es aber um einen anderen Ansatz: das Interaktive, das mich an Podcasts interessiert. Deshalb heißt mein Projekt auch « Betreff: Leben ». Das Ziel ist, dass eine Community entsteht, die sich austauscht, Themen aus der Gesellschaft in den Podcast einbringt und eine Verbindung zwischen Gästen und Publikum entsteht.

teleschau: Talkshows gibt es unzählige, Podcasts inzwischen noch mehr. Warum braucht die Medienwelt auch noch eine « Sprechstunde mit Hans Sigl »?

Sigl: Konkurrenzfähigkeit ist dabei für mich gar kein Thema. Ich stehe voll und ganz hinter meinem Format, das das Publikum zum Austausch anregen soll. Wir könnten bei jeder neuen Sendung – egal, ob im linearen TV oder online – die Existenz infrage stellen. Aber wo kämen wir denn da im Unterhaltungsbereich hin? Ich liebe Magazin-Sendungen und starte deshalb einen Service-Podcast, der in vielerlei Hinsicht der Kolumne « Die Gewissensfrage » im Süddeutsche Zeitung Magazin ähnelt.

« Hinter jeder kleinen Anekdote steckt eine große Geschichte »

teleschau: Warum glauben Sie, dass Podcasts in den letzten Jahren so einen Boom erlebt haben?

Sigl: Die technische Herstellung ist relativ einfach. Gleichzeitig haben die Menschen mit Hörbüchern wiederentdeckt, wie angenehm es ist, einfach nur zuzuhören. Gerade in gesellschaftspolitisch turbulenten Zeiten wächst zudem das Bedürfnis nach persönlichen oder leichteren Gesprächen. Manchmal brauchen Menschen einfach eine Pause vom Alltag. Gleichzeitig stecken hinter kleinen Themen oft die großen Fragen. Beim Filmemachen heißt es: Kleine Dinge groß erzählen, große Dinge klein erzählen. So ist es auch mit Gesprächen. Eine scherzhafte Zuschauerfrage von Ildikó von Kürthy, warum Waschmaschinen Socken verschlucken, führte uns innerhalb von drei Minuten zu den Themen « Leben nach dem Tod » und « Beziehungsende ». Ein leichtes Thema muss also nicht leicht bleiben. Hinter jeder kleinen Anekdote steckt eine große Geschichte.

teleschau: Sie kennen das Geschäft seit vielen Jahren. Früher konkurrierten Schauspieler um Rollen und Moderatoren um Sendeplätze – heute konkurrieren sie zusätzlich mit Influencern, YouTubern, TikTokern und Podcastern um Aufmerksamkeit. Ist es schwieriger geworden, langfristig relevant zu bleiben?

Sigl: Langfristig relevant zu bleiben, ist heute schwieriger, da das Angebot viel größer ist. Während es in den 80-ern nur ARD, ZDF und das Dritte gab, kommen heute Streaming und On-Demand-Angebote hinzu. Zudem entsteht viel vom Gleichen, teilweise mit geringerer Qualität – sowohl budgetär als auch inhaltlich. Qualität herzustellen und über längere Zeit zu halten, war allerdings schon immer schwierig. Ich hatte das große Glück, vor 20 Jahren mit einer Geschichte ausgewählt zu werden, die ihren Platz in der Fernsehlandschaft gefunden hat. Für mich sind Kontinuität und etwas schwer Greifbares entscheidend: Empathie. Ich habe nicht das Gefühl, mit anderen Kollegen konkurrieren zu müssen. Stattdessen versuche ich, möglichst viel von meiner eigenen Empathie in meine Projekte einzubringen und hoffe, dass dies spürbar ist.

« Oft ist das Beste sehr spontan »

teleschau: Reicht es heute überhaupt noch aus, « nur » ein guter Schauspieler oder Moderator zu sein? Oder verlangt die Branche inzwischen, dass man seine eigene Personenmarke auf sämtlichen Plattformen etabliert?

Sigl: Ich sehe mich als Allrounder. Schon während meiner Theaterzeit in Innsbruck wurde mir klar, dass ich singen, tanzen und vielseitig eingesetzt werden kann. Manche Kollegen haben beispielsweise keine Lust, eine Musiksendung zu präsentieren – ich hingegen moderiere dreimal im Jahr mit Barbara Schöneberger und habe dabei großen Spaß. Meiner Popularität verdanke ich natürlich viel und damit auch die Möglichkeit, für eine Musiksendung oder einen Podcast in Betracht gezogen zu werden. Aber weil mir all diese Bereiche Freude machen, stellt sich für mich die Frage nach der Personenmarke so nicht.

teleschau: Wen wollen Sie neben Barbara Schöneberger unbedingt noch als Gast in Ihrer Podcast-Sendung begrüßen?

Sigl: Das kann ich keinesfalls auf einen Namen beschränken. Ich hoffe, dass ich noch viele spannende Persönlichkeiten begrüßen darf. Oft ist das Beste sehr spontan: Bei einem meiner Instagram-Talks sprach ich beispielsweise mit Michael Mittermeier über alles – nur nicht über seine Comedy-Karriere. Mit Eckart von Hirschhausen saß ich einmal in einem Video-Chat, als die Sonne draußen unterging, das Zimmer dunkel wurde und unser Bild für die Zuschauenden nicht mehr sichtbar war. Wir haben es dabei belassen, weil wir die Atmosphäre des Podcasts mochten – und die Beschränkung auf einen Sinn. Deshalb las ich auch Literaturklassiker ein.

teleschau: Als Hörbuch?

Sigl: Ja, genau. Darunter waren viele Schullektüren wie « Bahnwärter Thiel », « Schachnovelle », « Wilhelm Tell » oder « Der Schimmelreiter ». Es freut mich besonders zu hören, dass sich Jugendliche mit meiner Stimme auf das Abitur vorbereiten – wenn auch, wie ein User einmal kommentiert hat, oft in doppelter Geschwindigkeit (lacht).

Darum ist Hans Sigl im Januar und im Februar offline – « ohne Ausnahme ».

teleschau: Sie geraten regelrecht ins Schwärmen, wenn es um Podcasts geht. Haben Sie denn auch mal darüber nachgedacht, als « Der Bergdoktor » aufzuhören?

Sigl: Derzeit macht es mir wahnsinnig viel Spaß, aber mein Vertrag wird demnächst neu verhandelt. Was das ZDF mit mir vorhat, kann ich deshalb aktuell nicht sagen. Ich kann nur sagen: Hier und jetzt bin ich sehr glücklich. Wir haben gerade mit den Dreharbeiten zur neuen Staffel begonnen. Es sind tolle junge Kollegen, junge Geschichten und fantastische Schauspieler dabei. Ich freue mich sehr auf Staffel 20 und ganz besonders auf unseren Stargast Michael Wittenborn. Dass eine Serie in dieser schnelllebigen Medienwelt über so lange Zeit eine Konstante bleibt, ist schon verrückt. Als ich um die 30 war und in Bremen überhaupt nicht wusste, wie es für mich weitergeht, habe ich sogar darüber nachgedacht, noch einmal zu studieren. Und dann dreht man plötzlich 20 Jahre lang eine Serie. Wir kamen zur rechten Zeit – und manchmal braucht man eben auch ein bisschen Glück.

teleschau: Gibt es Momente, in denen Ihnen bei all den Standbeinen auch mal etwas über den Kopf wächst?

Sigl: Ich bin ganz ehrlich: Als ich 2001 angefangen habe, für die österreichische Krimiserie « SOKO Kitzbühel » zu drehen, geriet ich als Anfänger an meine Grenzen. Mittlerweile habe ich ein wirklich gutes Stressmanagement entwickelt – das ist auch ein Muss, weil ich das ganze Jahr über so gut wie durcharbeite. Nur Anfang des Jahres nehme ich mir eine kleine Auszeit. Meine Familie, meine Frau und meine Freunde helfen mir in turbulenten Momenten, wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. « Eins nach dem anderen » – das ist mein Motto, auch wenn es abgedroschen klingt. Und sollte ich mich doch mal abreagieren müssen, setze ich auf Sport, zum Beispiel Golf. Stillsitzen kann ich nur, wenn ich lese.

teleschau: … und während Ihrer Auszeit Anfang des Jahres?

Sigl: Da praktiziere ich Digital Detox. Das war nur anfangs ungewohnt. In den ersten Wochen hatte ich zu oft das Bedürfnis, das Handy in die Hand zu nehmen, ohne genau zu wissen, was ich eigentlich damit wollte. Der Automatismus, Instagram einfach nur zu öffnen, war erschreckend. Mittlerweile genieße ich diese Zeit im Jahr, sie entspannt mich. Nach zwei oder drei Wochen spüre ich, wie sich mein Körper verändert. Ich werde innerlich ruhiger. Daher bin ich im Januar und im Februar offline – ohne Ausnahme.



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Author : Marina Birner

Publish date : 2026-09-23 06:00:00

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