In Thüringen bieten die meisten Hochschulen Angebote für Kinder, teilweise schon seit vielen Jahren. Was die jungen Forscher erwartet – und welche speziellen Fähigkeiten Dozenten mitbringen müssen.
Staunen, Lernen, Experimentieren: Kinder-Unis sind an den Thüringer Hochschulen sehr gut nachgefragt. „Das anhaltend große Interesse und die hohe Nachfrage zeigen, dass das Format bei uns auch nach mehr als zwei Jahrzehnten auf große Resonanz stößt“, erklärt etwa Luise Ziegler für die Bauhaus-Universität Weimar. Ähnlich positiv bezüglich der Nachfrage äußern sich auch andere Hochschulen im Freistaat. Die meisten Angebote seien innerhalb kürzester Zeit ausgebucht.
Sowohl die gemeinsame Kinder-Uni der Universität und der Fachhochschule in Erfurt – in Kooperation mit dem Helios Klinikum – als auch die Duale Hochschule Gera-Eisenach, die Ernst-Abbe-Hochschule in Jena sowie die Hochschule Schmalkalden bieten die verschiedensten Formate an. Dazu gehören etwa physikalische Experimente in Schmalkalden, Vorlesungen wie „Fakt oder Fake“ über den Umgang mit Falschinformationen in Weimar oder das Format „Rund um das Buch“ in Erfurt, das in die Erfurter Büchertage eingebettet ist.
Kosten halten sich im Rahmen
Angeboten werden die verschiedensten Formate von der klassischen Vorlesung über Experimente im Labor bis hin zu Workshops. Finanziert werden diese von den Hochschulen bzw. deren Partnern. Allerdings hielten sich die Kosten ohnehin im Rahmen, heißt es etwa für die Universität Erfurt: Die Dozenten seien vor Ort, die Räume bereits vorhanden und der Werbeaufwand sei aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads überschaubar, erklärt Sprecherin Carmen Voigt. „Es ist also eher ein zeitlicher und personeller Aufwand.“
In Weimar wird die 2003 gegründete Kinder-Uni gleich von fünf Partnern gemeinsam getragen: Neben der Bauhaus-Universität und der Hochschule für Musik Franz Liszt auch vom Deutschen Nationaltheater, der Volkshochschule und dem Kinderbüro der Stadt. Seit 2018 sei der Astrophysiker Harald Lesch Schirmherr der Veranstaltung. Das Format habe sich mittlerweile als festes Bildungsangebot in Weimar etabliert.
Erstmals Kinder-Uni an der EAH Jena
In der Jenaer Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) findet in diesem Jahr die allererste Kinder-Uni statt: Am Freitag fiel mit einer ersten Vorlesung der Startschuss für eine Reihe von insgesamt sieben Veranstaltungen, hieß es von einer Sprecherin. Ziel sei es dabei, thematisch jeden Fachbereich der Hochschule abzubilden. Zudem gebe es während der Vorlesungszeiten auch Angebote für die wartenden Eltern, die nicht mit in den Kinder-Hörsaal dürfen.
Eine Ausnahme stellt die Friedrich-Schiller-Universität in Jena dar: Dort würden aktuell keine Kinder-Uni-Formate angeboten, hieß es von einer Sprecherin. Es gebe zwar einige andere Formate für Jugendliche. Vor allem aus personellen Gründen sei eine Kinder-Uni aber seit einigen Jahren nicht möglich. Ziel sei es aber, dieses Angebot wieder aufzubauen. Die Kinder-Uni an der TU Ilmenau ist in diesem Jahr einer Sprecherin zufolge einmalig ausgesetzt worden, unter anderem um die Konzepte zu überarbeiten. 2027 solle das Angebot wieder stattfinden.
Ziel: Kinder für Wissenschaft begeistern
Die Idee hinter den Angeboten ist bei den befragten Hochschulen ähnlich: „Ziel der Kinder-Uni ist es, Kinder frühzeitig für Wissenschaft und Forschung zu begeistern und ihnen altersgerechte Einblicke in unterschiedliche Wissensgebiete sowie gesellschaftliche Fragestellungen zu ermöglichen“, fasst Ziegler zusammen. Forschende und Experten könnten unmittelbar erlebt und komplexe Zusammenhänge verständlich erfahren werden. Zudem könne auf diese Art auch Kindern ein Zugang zu wissenschaftlichen Bildungsangeboten ermöglicht werden, die sonst nur wenige Berührungspunkte mit Hochschulen hätten. Die anderen Sprecher äußerten sich ähnlich.
Auch aus Sicht des Thüringer Wissenschaftsministeriums ist diese Form des Marketings sinnvoll: Der frühe Kontakt mit den Hochschulen könne sich positiv auf die spätere Berufsorientierung auswirken, erklärt eine Sprecherin.
Wer kann sich vor Kindern behaupten?
Für die Dozenten könne der Umgang mit dem jungen Publikum durchaus anspruchsvoll sein, hieß es aus einigen Hochschulen. „Die Herausforderung ist es, jemanden zu finden, der sich vor den vielen Kindern behaupten kann und immer wieder ihre Aufmerksamkeit gewinnt“, so Ina Horn von der Hochschule Schmalkalden. Nicht jeder Dozent sei hierfür geeignet. „Es macht schon einen Unterschied, ob sie 300 Studenten oder 300 Kinder im Hörsaal sitzen haben.“ Dennoch seien die Kinder-Uni-Angebote schöne und dankbare Veranstaltungen, die immer wieder Spaß machten.
Inhalte und Laufzeiten der unterschiedlichen Angebote variieren stark zwischen den unterschiedlichen Hochschulen. So finden den Sprechern zufolge etwa in Weimar pro Semester vier Vorlesungen statt, zusätzlich eine Familienvorlesung vor den Sommerferien und ein jährlicher Campustag für Schulen im September, in der Regel mit mehr als 700 teilnehmenden Kindern. Die Angebote in Erfurt richten sich stark an Schulklassen. In Schmalkalden wurden in diesem Jahr zwei Vorlesungen für rund 400 Grundschüler angeboten. In Gera laufen die Kinder-Unis von Oktober bis Juli. Genauere Informationen gibt es auf den Internetseiten der Hochschulen.
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Publish date : 2026-10-24 09:09:00
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