Tierversuche sind hoch umstritten. Auch, weil es so schwer ist, einen echten Einblick in die Labore zu bekommen. Dass es schon jetzt bessere Alternativen gibt, will Manfred Karremann in seinem neuen Beitrag für die ZDF-Reportagereihe « 37° » zeigen.
Es sind Bilder, die man schwer ertragen kann: Affen werden fixiert und gezwungen, giftige Gase einzuatmen, Hunde bekommen eine Testsubstanz über einen Schlauch durch die Speiseröhre direkt in den Magen verabreicht, und ein Schwein schreit markerschütternd, als seine künstlich zugefügten offene Wunden mit Substanzen übergossen werden. Oft entstehen solche Aufnahmen heimlich, denn Tierversuchslabore lassen sich nur ungern auf die Finger schauen – erst recht nicht von einem Kamerateam. Das musste auch Manfred Karremann erfahren. Über ein Jahr versuchte der preisgekrönte Journalist, für die ZDF-Reportage « 37°: Geheimsache Tierversuche » mit Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Doch obwohl er Anonymität versprach, blieben die meisten Labortüren für das Kamerateam verschlossen. Einzig Professor Dr. Stefan Schlatt von der Universität Münster erklärte sich zu einem Gespräch vor der Kamera bereit.
Die Vorsicht seiner Kollegen könne er « sehr gut verstehen », erklärt er. Auch er erfahre viel Ablehnung wegen seiner Arbeit: « Man wünscht mir alles, nur nichts Gutes. » Schlatt forscht zur männlichen Zeugungsfähigkeit. Ein Ziel ist es, jungen Männern, die aufgrund von Bestrahlungen oder Chemotherapie keine Kinder mehr zeugen können, zu helfen. Für Tests kastriert sein Team junge Affen und verpflanzt die Hoden auf Mäuse. Mit anderen Worten: « Es sterben mehr Tiere, aber weniger Affen », erklärt er. Ob dies ein Fortschritt sei? « Das ist eine interessante ethische Diskussion, die man erst mal beantworten muss », meint der Professor.
Warum es dringend Alternativen braucht
Nach Angaben des Bundesamtes für Risikobewertung wurden 2024 rund 1,3 Millionen Tiere in Deutschland in Versuchen eingesetzt. Zählt man die für Organentnahmen getöteten oder überschüssig gezüchteten Tiere hinzu, kommt man auf drei Millionen. Ein unfassbar große Zahl, die für unendliches und zum Teil auch überflüssiges Leid steht, wie der Berner Biowissenschaftler Dr. Andreas Stucki erklärt: Der Ursprung der Tierversuche stamme aus den 1930-ern. « Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Zellkulturen. Die menschliche Zellkultur kam 1951. Es gab noch keine Computer, es gab noch keine künstliche Intelligenz. Es gab schlicht keine Alternativen vor 100 Jahren. » In einigen Fällen sei die Aussagekraft der Tierversuche bis heute nie wissenschaftlich bewiesen worden.
Im Auftrag des PETA Wissenschaftskonsortiums arbeitet Stucki daher an der Entwicklung von Alternativmethoden zu Tierversuchen in Sicherheitstests. Anstatt der eingangs beschriebenen Inhalationstests mit Hunden, Affen oder Ratten setzt er zum Beispiel auf die Arbeit mit menschlichen Zellen aus der Nase. Denn: « Ich bin überzeugt: Die menschliche Biologie wird nur mit menschlichen Zellen widergespiegelt, und ein Tierversuch kann nicht hundertprozentig voraussagen, was im menschlichen Körper passiert. »
Geht es in Zukunft ohne Tierleid?
Inzwischen gibt es sogar künstliche Haut und Organe auf Chips, an denen getestet wird. In Vitro-Versuche der BASF kommen schon heute ohne Tierleid aus und liefern noch dazu in bestimmten Bereichen auch wissenschaftlich bessere Ergebnisse. Warum der Wechsel von Tierversuchen auf in vitro trotzdem nicht so schnell funktionieren wird, wie Laien es sich vielleicht vorstellen, erklärt die Dokumentation. Außerdem kommen Menschen wie Dr. Zoe Mayer, Bundestagsabgeordnete der Grünen, zu Wort, die fordern, dass die Politik bessere Einblicke in Tierversuchslabore bekommt, um Gesetze entsprechend anpassen zu können.
37°: Geheimsache Tierversuche – Di. 29.09. – ZDF: 22.15 Uhr
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Author : Elisa Eberle
Publish date : 2026-09-27 07:30:00
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