Können Hunde vor Emotionen weinen? Warum die Vierbeiner zwar Tränen fließen lassen, aber aus ganz anderen Gründen als Menschen.
Hund und Mensch – das ist eine Beziehungsgeschichte, die bis in die Steinzeit zurückreicht. Es wird vermutet, dass vor mindestens 15.000 Jahren erstmals Wölfe gezähmt wurden, möglicherweise sogar früher.
Eine lange Periode also, um spezielle Verhaltensweisen für das Zusammenleben mit Menschen zu entwickeln. Ein legendäres Beispiel ist der Hundeblick, den die Tiere mit Hilfe eines speziellen Gesichtsmuskels aufsetzen, der die inneren Augenbrauen nach oben zieht. Dieser entwickelte sich in der langen Zeit der Domestizierung. Wölfe können nicht so treuherzig gucken.
Wenn Wölfe feuchte Augen bekommen, hat das nichts mit Emotionen zu tun. Mit der Flüssigkeit werden einfach die Augen feucht gehalten und sie hilft gegen Fremdkörper.
Hunde weinen vor Freude
Beim Hund ist die Sache mit den tränenden Augen wesentlich komplexer. Unsere Haustiere sind sogar in der Lage zu weinen. Allerdings vergießen sie keine Tränen der Trauer, sondern der Freude.
Dokumentiert wurde dies vor einiger Zeit durch eine Forschungsarbeit aus Japan. Diese belegte 2022, dass Hunden Tränen kommen, wenn sie sich über ein Wiedersehen mit ihren Besitzern freuen. In diesen Experimenten war das nach etwa fünf bis sieben Stunden Abwesenheit der Fall. Die Wissenschaftler maßen das Volumen der Tränenflüssigkeit vor dem Wiedersehen – und danach.
Die Vermutung, dass es tatsächlich Freudentränen waren, erhärtete sich dadurch, dass diese nur beim Wiedersehen mit der engen Bezugsperson vergossen wurden. Holte ein Bekannter den Hund ab, der nicht der Besitzer war, wurde weniger Tränenflüssigkeit produziert.
„Kuschelhormon“ steuert Bindungsempfinden
Vermutet wird, dass ein Hormon namens Oxytocin steuert, wie viel Tränenflüssigkeit bei Hunden produziert wird. Diese auch „Kuschelhormon“ genannte Substanz spielt auch bei Menschen eine Rolle und fördert soziale Bindungen, das Gefühl von Nähe und Verbundenheit und Empathie.
Wenn Hunde Trauer empfinden, beispielsweise wenn ihre engste Bezugsperson verstorben ist, zeigen sie das zwar auch, fangen aber nicht an zu weinen. Sie drücken Traurigkeit durch Körpersprache oder auch Laute wie Winseln oder Jaulen aus. Auch lethargisches und lustloses Verhalten kann ein Ausdruck von Trauer sein, ebenso wie Appetitlosigkeit.
Und schließlich – tränende Augen bei Hunden, manchmal verbunden mit schleimigem Sekret, können auch auf ein gesundheitliches Problem hindeuten, etwa eine Bindehautentzündung.
Quellen: Current Biology, Deutschlandfunk, „Südkurier“, MDR, „Spiegel.de“, American Kennel Club, Max Planck Gesellschaft
Source link : https://www.stern.de/panorama/hunde–koennen-sie-wirklich-weinen—und-was-bedeutet-das–38005872.html
Author : Annette Berger
Publish date : 2026-09-27 22:44:00
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