Die friedlichen „Gen Z“-Proteste werden von anschließenden Gewaltexzessen überschattet. Das ist inakzeptabel und schadet dem eigentlichen Anliegen, schreibt die Presse.
Nach den gewaltsamen Ausschreitungen in mehreren deutschen Städten im Anschluss an die friedlichen „Gen Z regelt“-Demos erwartet Bundesinnenminister Alexander Dobrindt eine konsequente Ahndung von Straftaten. „Zum Teil hat das ja vor laufenden Kameras stattgefunden, dass Läden geplündert worden sind“, sagte der CSU-Politiker vor Journalisten. Die Menschen würden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. „Und ich erwarte, dass es harte Strafen gibt.“
Dobrindt betonte, man unterscheide sehr stark zwischen dem demokratischen, friedlichen Demonstrationsgeschehen und den Ausschreitungen. Deswegen habe er deutlich gemacht, dass es sich dabei nicht um Schüler gehandelt habe. „Es gab friedliche Demonstrationen, die dann Richtung Abend gekapert worden sind von gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten.“ Er sei den Schülerbewegungen dankbar, dass sie sich davon deutlich distanzierten.
Aber haben sie auch etwas gebracht? Die Presse zweifelt daran. Die Gewaltexzesse dürften die eigentlichen Anliegen überlagern, heißt es.
Die Gen Z muss sich weiter von Gewalt abgrenzen
„Badische Zeitung“: „Junge Menschen sind einem Ausmaß an Krisen ausgesetzt, das Angst machen kann. Diese Angst kann in Wut umschlagen, wenn man einen Staat erlebt, der für die Belange dieser Generation zu wenig liefert. Teure Mieten, überlastete Schulen, gigantische Staatsschulden und eine mögliche Wehrpflicht drohen vor allem die junge Generation zu treffen. Darauf darf und sollte diese ruhig mit Protest hinweisen. Eine Demo verliert nicht jede Legitimation, weil dort Vermummte Straftaten begehen. Will die ‚Gen Z‘ mit ihren Forderungen ernst genommen werden, sollte sie sich weiter klar von Gewalt abgrenzen. Die Politik aber muss sich stärker mit den Interessen der jungen Generation auseinandersetzen.“
„Reutlinger General-Anzeiger“: „Die Anliegen der Gen-Z-Demonstranten sind absolut legitim. Polizisten mit Böllern und Flaschen anzugreifen, fremdes Eigentum zu beschädigen, gezielte Eskalation: Das lässt sich aber nicht mit Wut auf das Bildungssystem oder fehlenden Zukunftsperspektiven erklären. Das ist kein politischer Protest. Das ist schlichte Zerstörungswut. Eine Demonstration für eine bessere Zukunft junger Menschen darf nicht zum Sammelbecken für unterschiedlichste politische Konflikte und extremistische Strömungen werden, die mit dem ursprünglichen Anliegen nichts zu tun haben. Was sich am Samstagabend in Stuttgart und anderen deutschen Großstädten abgespielt hat, wirft unbequeme Fragen auf, denen sich die Politik endlich stellen muss. Krawallmacher und Straftäter dürfen niemals in die Position kommen, demokratischen Protest zu delegitimieren.“
„Die Lust auf Randale war dem schwarzen Block wichtiger“
„Kölner Stadt-Anzeiger“: „Wer mit blinder Wut sogar Feuerwehrleute und Rettungskräfte angreift, zeigt unmissverständlich, dass es ihm ausschließlich um Gewalt und Chaos geht. Gesprochen, geschrieben und gesendet wird über Krawalle und Konfrontationen, über Wasserwerfer und Pfefferspray, Einkesselungen, Strafanzeigen und Verletzte. Um Bildung – geht es nicht mehr. Dabei ist die intensive Debatte über die Zukunft des deutschen Bildungssystems tatsächlich überfällig. Die Demos haben diese Debatte nicht befördert – im Gegenteil.“
„Frankfurter Allgemeine Zeitung“: „Dieses altehrwürdige Grundrecht, für eine Sache auf die Straße zu gehen, gerade nicht zusammen mit Würdenträgern, sondern gegen staatliches Handeln oder Unterlassen, dieses Recht hat tatsächlich offenbar an Bedeutung verloren, seit jeder zu Hause sein eigenes Medium ist. (…) Störer dürfen es nicht in der Hand haben, einen Aufzug unfriedlich zu machen. (…) Umso wichtiger ist, dass jetzt jeder klare Kante zeigt: die Freiheit schützen, die Freiheit jeder Meinung, die Freiheit, diese gemeinsam auf der Straße kundzutun. Aber deutlich gegen jede Form von Gewalt vorgehen. Denn es geht um Angriffe auf Mitbürger und Ordnungshüter – und damit auch auf eine zerbrechliche Gemeinschaft, die offen ist für jeden demokratischen Wandel. Und deshalb sehr schützenswert.“
„Neue Osnabrücker Zeitung“: „Die Lust auf Randale war dem schwarzen Block wichtiger ist als die Sorgen einer ganzen Generation. In Frankfurt wurden Geschäfte geplündert, in Hamburg brannten Barrikaden. In Köln riefen Demonstranten: ‚Gib dem Bullen, was er braucht – neun Millimeter in den Bauch.‘ Eine Aufforderung, Polizisten zu erschießen. Wie armselig. Solidarität wird in der linken Szene gerne großgeschrieben. Zusammenhalt beschworen. Schön wär’s. Von Solidarität war da wenig zu sehen. Gegeneinander statt füreinander. Und dann wundert sich die linke Szene, warum ihre Anliegen untergehen? Wer für die Zukunft der Jugend kämpfen will, sollte ihr nicht die Gegenwart vermiesen.“
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Publish date : 2026-11-01 20:46:00
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