Bei der zahnmedizinischen Versorgung steht Schleswig-Holstein gut da, sagt die Kassenzahnärztliche Vereinigung. Doch viele Ärztinnen und Ärzte gehen bald in den Ruhestand. Das bringt Veränderungen.
Die Zahl der niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte in Schleswig-Holstein ist leicht gesunken. Gab es Anfang 2025 noch insgesamt 1.473 Vertragszahnärzte und Kieferorthopäden, sind es aktuell 1.446. Das erklärt die Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Schleswig-Holstein auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Vor fünf Jahren waren es demnach noch 1.588.
Dagegen sei die Zahl der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte, die auch für die Versorgung in den Praxen zur Verfügung stehen, innerhalb des vergangenen Jahres von 657 auf aktuell 721 gestiegen. Vor fünf Jahren seien es 551 Angestellte gewesen.
In keiner Region droht eine Unterversorgung
Heute stehen den Menschen im Land 1.192 Praxen, einschließlich der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ), zur Verfügung. Das sind 28 weniger als zu Beginn des Jahres 2025. Vor fünf Jahren lag die Zahl bei 1.314 Praxen.
Schleswig-Holstein befinde sich im bundesweiten Vergleich aber in einer guten Position, erklärt der Vorstandsvorsitzende der KZV Schleswig-Holstein, Michael Diercks. In der zahnärztlichen Versorgung gebe es nach der Bedarfsplanung keine Unterversorgung oder auch nur von Unterversorgung bedrohte Gebiete. Für einen Versorgungsgrad von 100 Prozent gilt in Kiel und Lübeck ein Verhältnis von einem Zahnarzt auf 1.280 Patientinnen und Patienten, in allen übrigen Gebieten liegt der Schlüssel bei 1:1.680.
Versorgungsgrad in drei Städten über 110 Prozent
In Kiel, Flensburg und Neumünster liege die zahnärztliche Versorgung derzeit bei über 110 Prozent, in Lübeck bei 93 Prozent. Über 100 Prozent seien es in den Kreisen Pinneberg, Rendsburg-Eckernförde, Segeberg und Stormarn. In den Kreisen Dithmarschen, Nordfriesland und Lauenburg liege der Versorgungsgrad aktuell knapp unter 90 Prozent.
Erst ab einem Versorgungsgrad unter 75 Prozent gilt die Versorgung als bedroht. Dies sei in Schleswig-Holstein bei der zahnärztlichen Versorgung in keinem Planungsbereich der Fall. Bei Werten unter 50 Prozent kann der Landesausschuss der Zahnärzte und Krankenkassen eine Unterversorgung feststellen.
Ungebrochener Trend zur Anstellung
Der durchschnittliche Versorgungsgrad für die zahnärztliche Versorgung in Schleswig-Holstein sinke zwar, sei aber insgesamt relativ stabil, erklärt die KZV SH. Vor zehn Jahren habe er bei 107,2 Prozent gelegen, 2020 bei 102 Prozent. Nach dem aktuellen Bedarfsplan liege er bei 99,1 Prozent. Bei der kieferorthopädischen Versorgung sei der Versorgungsgrad dagegen von 116,2 Prozent im Jahr 2015 auf 132,8 Prozent Ende 2024 gestiegen.
Die Zahl der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte steige in den vergangenen Jahren. « Der Trend zur Anstellung ist ungebrochen. Für viele junge Zahnärztinnen und Zahnärzte ist eine Anstellung attraktiver als das Führen einer eigenen Praxis », sagt der KZV-Vorsitzende. Gleichzeitig steige auch die Zahl der MVZ. Im Juli 2025 waren es 39 im Land.
Mangel an Fachpersonal bereitet Probleme
Was den Zahnärztinnen und Zahnärzten schwer zu schaffen macht, ist der Mangel an Fachangestellten für ihre Praxen. « In letzter Zeit hören wir vermehrt, dass Praxen sogar ihre Behandlungszeiten reduzieren, weil sie nicht genügend qualifiziertes Personal haben », erklärt Diercks. Eine der Ursachen dafür sei, dass es in bestimmten Regionen wie Sylt oder St. Peter-Ording keinen bezahlbaren Wohnraum gebe.
Weil die « Boomer-Generation » nach und nach in den Ruhestand gehe, werde die Zahl der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren sinken, so Diercks. 165 Vertragszahnärztinnen und -ärzte seien Ende September 2025 älter als 65 Jahre gewesen. Das werde Veränderungen für die zahnmedizinische Versorgung in Schleswig-Holstein bedeuten.
Mehr junge Leute studieren Zahnmedizin
Gleichzeitig sei die Zahl der Neuimmatrikulationen im Studiengang Zahnmedizin seit Jahren konstant und habe im Zehn-Jahres-Vergleich leicht zugenommen. « Wir haben also – anders als andere Berufen – genug Nachwuchs », sagt Diercks.
Damit die zahnärztliche Versorgung so gut bleibt wie bisher, drängt die KZV Schleswig-Holstein auf Verbesserungen der Rahmenbedingungen. Ob in Zukunft junge Zahnärztinnen und Zahnärzte bereit seien, sich niederzulassen, insbesondere im ländlichen Raum, werde entscheidend von politischen Vorgaben abhängen.
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Publish date : 2026-02-07 04:30:00
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