In sächsischen Tierheimen finden sich immer mehr verhaltensauffällige Tieren. Bei manchen Bewohnern wird es schwer, neue Besitzer zu finden.
Sie haben oft eine Leidensgeschichte hinter sich und gelten nun als schwer vermittelbar: In sächsischen Tierheimen häufen sich die Fälle von Tieren, die in ihrem Verhalten auffällig sind oder auch im verwahrlosten Zustand dorthin gebracht werden. Es ist gerade so, als wäre die angeblich so tierliebende deutsche Gesellschaft auf den Hund gekommen. « Der Prozentsatz der Tiere, die lange dableiben, der steigt », sagt Lutz Meißner, Abteilungsleiter Tierschutz im zuständigen Amt der Stadt Dresden.
« Verhaltenstechnisch äußerst auffällig »
Tiere kämen nicht nur in einem gesundheitlich schlechter Zustand in die Einrichtung, sondern seien auch « verhaltenstechnisch äußerst auffällig », weil der vorherige Besitzer keine Ahnung hatte, erklärt Meißner, der das nicht verstehen kann. Denn im Unterschied zu früher käme man heute ganz einfach an Wissen über die Haltung von Tieren heran. « Man muss sich dafür nicht einmal ein Buch kaufen. Es gibt kostenlose Angebote im Netz. » Doch die Leute seien offenbar nicht mehr gewillt, es zu tun.
Auch im städtischen Tierheim von Dresden bringen Bewohner mitunter Jahre zu, bevor sie einen neuen Halter finden. Manche sterben im Heim. Meißner berichtet von einem Dauergast, der schon seit 2014 einen Zwinger in der Dresdner Einrichtung bewohnt. « Wir haben eine ganze Reihe Hunde, da wird die Vermittlung sehr schwer. Es sei denn, es verliebt sich einer in so ein Tier. »
« Die Tendenz, dass die Anzahl von Hunden mit Beißvorfällen oder auffälligem Verhalten ansteigt, merken auch wir. Wir stellen fest, dass die Tiere schnell irgendwo hergeholt werden, die neuen Halter dann extrem schnell überfordert sind und keine Arbeit investieren wollen », berichtet Ira Weißbach vom Tierschutzverein Chemnitz, der als privater Träger ein Tierheim betreut. Das Tier werde als « Konsumgut » betrachtet. « So schnell, wie es angeschafft wurde, wollen es die Leute auch wieder loshaben. »
Leute sollten genau überlegen, ob ein Tier in ihr Leben passt
Kritisch werde es vor allem, wenn Kinder im Haushalt sind und die Leute sich einen großen Hund im besten Alter über irgendeine Internetplattform beschafft haben, schildert Weißbach einen immer wiederkehrenden Fall. « Es wäre schön, wenn die Leute endlich wieder einmal über ihr Handeln nachdenken und wirklich genau überlegen, ob ein Tier in ihr Leben passt. »
« Es ist irgendwie alles extremer geworden, sowohl bei der Vernachlässigung von Tieren oder ihrer Misshandlung als auch bei Überbehütung », berichtet Ira Weißbach. Es gebe Menschen, die sich weder um sich noch um ihre Tiere kümmern können und verwahrlosen – das selbst aber nicht wahrnehmen.
« Die Konfrontation mit teilweise sehr erheblichen Vernachlässigungen von Tieren ist unsere fast tägliche Arbeitssituation », sagt Michael Sperlich, 1. Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Sachsen, der in Leipzig ein Tierheim leitet. Schon seit Jahren werde das Anspruchsdenken der Leute, die sich selbst als « Kunden » sehen, größer. Vor allem werde erwartet, dass die Heime die Gesundheit des Tieres garantieren, was objektiv nicht möglich sei.
« Steigende Aggressivität » der Tierbesitzer
« Dazu nehmen wir eine steigende Aggressivität unseren Mitarbeiterinnen gegenüber und Mitarbeitern wahr », betont Sperlich. Das deckt sich mit Erfahrungen aus Dresden und Chemnitz – vor allem, wenn es um die sogenannte Zwangspflege geht: Wenn Tiere aufgenommen werden, weil ihre Besitzer sich nicht um das Tier kümmern oder kümmern können – wegen Krankheit, Verstößen gegen das Tierwohl oder Haftstrafen. In Dresden kamen im vergangenen Jahr 90 Hunde und 120 Katzen als Zwangspflegetiere ins Heim.
Mitunter sind die Tierbesitzer mit den Entscheidungen der Behörden nicht einverstanden. « Dann kommen die Leute und randalieren hier oder bedrohen uns », berichtet Meißner von einem besonders drastischen Dresdner Fall aus dem Vorjahr. Ein Mann, der seinen Hund wiederhaben wollen, brach sogar in das Tierheim ein, bedrohte mehrmals Mitarbeiter. Auch Ira Weißbach in Chemnitz kennt Fälle von psychischem Druck und Beleidigungen.
Manchmal versuchen Tierbesitzer, ihre einstigen Lieblinge via Heim wieder loszuwerden. Dann werden ganz verschiedene Gründe vorgebracht – angebliche Allergien, Überforderung, ein bedrohliches Verhalten oder eine Änderung der Lebensumstände durch Tod, Trennung, Familiennachwuchs. « Tierheime sind für die Fundtiere und Tiere in Verwahrung zuständig. Sie haben aber nicht die Pflicht, Tiere aus Privathand zu übernehmen, weil diese ihren Haltern lästig geworden sind », sagt die Chemnitzerin Weißbach.
Oftmals bekomme man dann das Unverständnis der Halter am Telefon oder in Schriftform zu spüren. « »Wenn sie den nicht nehmen, muss ich mir einen Tierarzt zum Einschläfern suchen » oder « Soll ich das Tier lieber aussetzen? » », bringt Weißbach Beispiele.
Ein weiteres Problem sind « Exoten » – auch wenn der Leipziger Vereinschef Sperlich den Begriff für ungeeignet hält. Im Tierheim Leipzig gibt es aktuell rund 100 Tiere, die nicht aus unseren Breiten stammen, darunter diverse Nattern und große Würgeschlangen. « Besonders schwer haben es in der Vermittlung große Schlangen. Wir betreuen einige unserer Tiere seit nunmehr über 10 Jahren. » Gerade bei Reptilien würden oft die Lebensdauer der Tiere und die hohen Nebenkosten unterschätzt.
Gute Vermittlungschancen haben die meisten Katzen – außer, wenn sie älter sind, gesundheitliche Einschränkungen aufweisen oder auf Spezialfutter angewiesen sind. Dann sind oft alle Bemühungen für die Katz’.
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Publish date : 2026-03-23 07:00:00
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