Unweit des Reitermekkas Luhmühlen gehen auf einem Hof im Landkreis Harburg teure Sport- und Freizeitpferde in Therapie. Die behutsamen Methoden kommen gut an.
Carmina kämpft sich mit langen Schritten durch das bis zum Oberschenkel ansteigende Wasser. Etwa 20 Minuten muss die Hannoveraner Stute mit hochgebundenem Schweif auf dem Unterwasserlaufband durchhalten, dann lässt Trainerin Gabi Milkereit es langsam wieder abfließen. Die Stute wird zum Ende hin unruhiger, der Kopf schwenkt hin und her, sie hat genug vom Treten zum Muskelaufbau.
« Die Pferde gehen da gern rein und lernen es schnell », erklärt Andrea Engeler-Bading, Dressurreiterin und Besitzerin des Hofes Fehmbusch, einer Therapiestation für Pferde. « Es ist anstrengend, richtig Arbeit im Wasser, aber auch angenehm für sie », erzählt die 40-Jährige, « manche mögen das sehr, planschen und freuen sich ihres Lebens ».
Kein Muskelkater nach Aqua-Jogging
Nach drei Knieoperationen probierte sie im Neoprenanzug selbst die Rehabilitation der Vierbeiner für sich aus. « Man hat hinterher keinen Muskelkater, aber müde Muskeln », beschreibt die gebürtige Schweizerin das Gefühl.
Das gelenkschonende Üben bei sanftem Widerstand bringe auch viel für die Kondition. In die Aqua-Box kommen die Patienten erst, wenn sie im Schritt lahmfrei sind, je nach Verletzung wird die Wasserhöhe gesteigert. Hinterher werden sie mit Kamillosan abgewaschen – zur Desinfektion und zum Schutz.
Carmina lebt schon eineinhalb Jahre auf dem Hof in Eyendorf im Landkreis Harburg. Sie leidet an einem chronischen Fesselträgerschaden. Möglicherweise aus Überlastung. « Trainer und Besitzer müssen gar nichts falsch gemacht haben », erklärt Engeler-Bading, « manchmal ist es einfach eine falsche Belastung ». Die Stute wurde einst vielseitig geritten, in der Dressur ausgebildet und fürs Springen.
Sport- und Freizeitpferde in der Rehabilitation
Täglich wird sie nun in der Reithalle im Kreis herumgeführt, bekommt kleine Impulse per Hand von den Trainern, damit sich die Haltung verbessert. In der Fachsprache nennt es sich tensegrales Training – ein ganzheitlicher, physiotherapeutischer Ansatz für Pferde, um Verspannungen zu lösen.
« Man löst Strukturen und gibt dem Pferd eine andere Stabilität, der Körper wird elastisch gehalten. Es ist ein wenig wie Pilates für Pferde », erklärt Engeler-Bading. Als Carmina nach Eyendorf kam, konnte sie überhaupt nicht mehr geritten werden. Nun, nach eineinhalb Jahren Pflege, ist sie wieder so weit.
Das Reitermekka Luhmühlen ist um die Ecke, viele Besitzer schauen auf dem Hof in Eyendorf mit ihren Sportpferden einmal wöchentlich zum Aqua-Training vorbei. Auch eine Hamburger Pferdebesitzerin besucht ihren Schützling, überzeugt sich von seinen Fortschritten im stationären Aufbautraining. « Es gibt nicht so viele gute Therapieställe, dieser hat einen guten Ruf, sie geben sich viel Mühe », bestätigt sie. « Man sieht die Verbesserung am Bewegungsablauf. »
Die 38 Boxen des Gestüts sind voll. « Ich versuche, keinem absagen zu müssen », erzählt Engeler-Bading. « Es gibt wenige Wochen im Jahr, wo ich freie Boxen habe ». Zur Hand gehen ihr sieben Mitarbeiter auf dem weitläufigen Gelände.
Kutschpferde werden auf die Saison vorbereitet
Kutscherin Britta Alpers aus Döhle kommt im Winter jeden Freitag mit dem Gespann Bella und Bommel zum Wassertreten. Das bereitet die Alt-Oldenburger Warmblüter auf die anstrengende Saison in der Lüneburger Heide vor. « Das ist eine tolle, schonende Geschichte für den Muskelaufbau », sagt Alpers, die auch darauf achtet, ihre Vierbeiner in der gerade begonnenen Saison nicht zu viel zu belasten.
Ihre Pferde haben eine Drei-Tage-Woche, dazu bekommen sie alle eine Mittagspause, um zu fressen. Bei der siebenjährigen Bella bemerkte die erfahrene Kutscherin vor einiger Zeit eine Muskelschwäche an einem Bein. Tierärzte halfen ihr bei dem Stellungsfehler nicht weiter, die Therapie von Engeler-Bading schon. Innerhalb von vier Monaten war die Fehlbelastung behoben. « Ich schwöre darauf, die haben so vielfältige Möglichkeiten », meint Alpers.
Das Programm habe ihr auch viele Tierarztkosten erspart. Zur Prophylaxe reitet Engeler-Bading einmal die Woche auf Bella im Sattel. Bei Übungen wie dem Seitwärtsreiten wird die Stute besonders trainiert.
Solarium, Eisbäder und Salzkammer
An der Gerätestation ist auch ein höhenverstellbares Solarium angebracht. Die Wärme soll die Muskeln vor der Reha-Arbeit aufwärmen, erzählt Milkereit, die die Therapiestation leitet. Eisbäder, Laserduschen und Magnetfelddecken sind andere Variationen in der täglichen Arbeit. « Mir war das Gesunderhalten immer wichtig », meint Engeler-Bading, die den Hof vor zehn Jahren aufbaute. « Es gibt diesen Grundsatz: « Wer richtig reitet, betreibt Tierschutz », das finde ich richtig. »
Auch Tiere mit Atemwegproblemen finden ihren Weg zu dem abgeschiedenen Grundstück. In einer Salzkammer werden Husten und Schleim behandelt. 45 Minuten atmen die Pferde das trockene Salz ein. « Das hilft unheimlich. Je trockener das Salzmolekül, umso tiefer kann es eindringen », sagt die Pferdephysiotherapeutin.
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Publish date : 2026-03-19 04:30:00
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