Die ehemalige RAF-Terroristin Klette steht seit März 2025 vor dem Landgericht Verden. Gemeinsam mit Komplizen soll sie Millionen Euro erbeutet haben. Welche Taten werden ihr vorgeworfen?
Im Prozess gegen Daniela Klette geht es um acht Raubüberfälle auf Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Dabei wurden mehr als zwei Millionen Euro erbeutet. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sollen die ehemaligen RAF-Terroristen Daniela Klette, Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub die Täter sein. Während sich Klette vor dem Landgericht Verden verantworten muss, fehlt von ihren mutmaßlichen Komplizen eine konkrete Spur. Um welche Taten geht es?
30.7.1999 in Duisburg, Nordrhein-Westfalen
Auf dem Parkplatz eines Großhandelsmarktes in Duisburg rammen maskierte Täter mit ihrem Wagen einen Geldtransporter. Sie bedrohen zwei Wachleute mit einer Panzerfaust, einer Maschinenpistole und einem Sturmgewehr. Die Maskierten laden Geldkisten aus dem Transporter in einen anderen Wagen und fliehen unerkannt. Laut Anklage erbeuten sie eine Million Mark – umgerechnet rund 519.000 Euro. Vor Gericht wird über den Fall im August 2025 gesprochen, geladene Zeugen können sich an vieles nicht mehr erinnern.
2.11.2004 in Leverkusen, Nordrhein-Westfalen
Als eine Kassiererin in den Tresorraum eines Großmarktes gehen will, wird sie von zwei Männern in den Raum geschubst. Die Räuber bedrohen sie und zwei weitere Angestellte in dem Raum mit Schusswaffen und zwingen sie, einen Tresor zu öffnen. Sie nehmen Bargeld heraus und fliehen mit einem Auto, das von Klette gefahren worden sein soll. Das Trio erbeutet laut Staatsanwaltschaft etwa 160.000 Euro.
In der Wohnung der Angeklagten finden die Ermittler Fragmente von Kennzeichen des Fluchtautos sowie Aufzeichnungen zu ausspionierten Supermärkten in Leverkusen und im Ruhrgebiet. Rund 21 Jahre nach der Tat schildern im November 2025 zwei Angestellte des Supermarkts den Überfall vor Gericht.
27.12.2006 in Bochum, Nordrhein-Westfalen
Mit Schusswaffen zwingen zwei Männer im Tresorraum eines Supermarkts zwei Kassiererinnen, sich auf den Boden zu legen. Dann packen die Täter die Einnahmen aus dem Weihnachtsgeschäft ein und fliehen. Die Beute laut Staatsanwaltschaft: 160.000 Euro.
Als der Fall im November 2025 verhandelt wird, haben Zeugen Mühe, sich an ihre Beobachtungen vor 19 Jahren zu erinnern. Laut Staatsanwaltschaft verschafften sich Garweg und Staub Zugang zum Tresorraum, Klette soll in einem gestohlenen Auto auf sie gewartet haben.
2.1.2015 in Osnabrück, Niedersachsen
Zwei Männer überfallen einen Supermarkt in Osnabrück. Sie halten sich zunächst mit einem Einkaufswagen in der Nähe des Kassenbüros auf und bedrohen dann zwei Angestellte in dem Büro. Die mit Tüchern oder Schals maskierten Männer erbeuten den Ermittlungen zufolge rund 60.000 Euro. Sie fliehen unerkannt.
Im Januar 2026 berichten die damalige Kassenleiterin des Supermarkts und eine damalige Imbissverkäuferin von der Tat. Beide hatten Angst und blieben äußerlich unverletzt. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Daniela Klette in einem Auto auf ihre mutmaßlichen Komplizen wartete und mit ihnen floh.
6.6.2015 in Stuhr, Niedersachsen
Auf dem Parkplatz eines Supermarkts in der Gemeinde Stuhr nahe Bremen überfallen drei Maskierte einen Geldtransporter, der rund eine Million Euro geladen hat. Ein Täter schießt mit einem Schnellfeuergewehr dreimal auf das Fahrzeug. Erfolglos versuchen die Vermummten, die Türen des Transporters zu öffnen. Dann flüchten sie ohne Beute in einem Fahrzeug.
Den Ermittlungen zufolge haben sie Gewehre und eine Panzerfaust dabei. Der Fahrer und der Beifahrer des Geldtransporters erleiden einen Schock. Sichergestellte DNA-Spuren werden später Klette, Staub und Garweg zugeordnet. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist die Tat ein versuchter Mord.
Der Überfall in Stuhr ist der erste Fall, der vor Gericht verhandelt wird. Im April 2025 werden die ersten Zeugen dazu gehört. Im Juli stellt der Vorsitzende Richter mit einem rechtlichen Hinweis klar, dass das Gericht die Tat nicht als Mordversuch wertet.
28.12.2015 in Wolfsburg, Niedersachsen
Drei Menschen versuchen einen Geldtransporter zu überfallen. Ein Täter bedroht den Beifahrer, als dieser außerhalb des Fahrzeugs ist. Die beiden anderen widmen sich dem Fahrer. Doch dieser nutzt einen unbeobachteten Augenblick und rast mit dem Wagen davon. Die Täter brechen daraufhin ihr Vorhaben ab und fliehen.
Nach Zeugenaussagen sind sie mit einem Schnellfeuergewehr und einer Panzerfaust bewaffnet. DNA-Spuren führen zu Klette, Staub und Garweg. Die Staatsanwaltschaft gibt die Beute mit 200 Euro an, weil die Täter eine Waffe stehlen. Im September 2025 berichten Zeugen im Gericht von der Tat.
7.5.2016 in Hildesheim, Niedersachsen
Zwei maskierte und bewaffnete Täter folgen dem Mitarbeiter eines Geldtransportunternehmens ins Kassenbüro eines Supermarkts. Weil das abzuholende Geld noch im Tresor und der zuständige Mitarbeiter mit dem Tresorschlüssel nicht da ist, scheitert der Raubüberfall. Allerdings nehmen die Räuber – laut Staatsanwaltschaft sind es Garweg und Staub – dem Mitarbeiter des Geldtransportunternehmens die Waffe ab. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wartet Klette damals im Fluchtfahrzeug. Zeugen schildern den Überfall im September 2025 vor Gericht.
25.6.2016 in Cremlingen, Niedersachsen
Mit Schusswaffen überfallen zwei Männer und eine Frau einen Geldtransporter in Cremlingen bei Braunschweig. Die Maskierten keilen das Fahrzeug vor einer Möbelfiliale mit zwei Autos ein. Ein Täter bedroht den ausgestiegenen Beifahrer mit einer Pistole und fordert Geld. Den Ermittlungen zufolge glaubt der Geldbote anfangs an einen Scherz und betritt das Geschäft. Erst als der Bewaffnete in die Decke des Ladens schießt, merkt der Mann, dass es ein Überfall ist. Laut Staatsanwaltschaft bedroht Klette den Fahrer des Geldtransporters mit einer Panzerfaust, Garweg schießt mit einem Gewehr auf den Fußraum des Geldtransporters. Der Fahrer öffnet den Transporter. Die Täter fliehen mit fast 1,4 Millionen Euro.
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Publish date : 2026-05-27 03:15:00
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