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Meinung: Keine Rot-Sperre nach Trump-Anruf – eine wahnwitzige Entscheidung der Fifa

Donald Trump hat offenbar persönlich bei Fifa-Boss Infantino erwirkt, dass US-Stürmer Folarin Balogun nicht gesperrt wird. Ein Skandal, der an finstere Zeiten erinnert.

Bislang ist diese WM ein Erfolg, keine Frage: tolle Stimmung, volle Stadien, starke Spiele, erst gestern wieder Norwegens Sensationssieg gegen Brasilien und dann Englands dramatischer 3:2-Erfolg gegen Mexiko. Vor allem aber: kein Skandal bisher um US-Präsident Donald Trump, kein Skandal um Fifa-Boss Gianni Infantino – anders als von vielen erwartet. Doch nun liegt ein gewaltiger Schatten über dieser WM.  

Wie mehrere Medien berichten, darunter die Nachrichtenagentur AP und die „New York Times“, beschwerte sich Trump bei Infantino persönlich über die Rote Karte gegen den bisher so starken US-Stürmer Folarin Balogun. Der hatte diese nach einem unglücklichen Foul im Sechzehntelfinalspiel gegen Bosnien-Herzegowina erhalten. Der brasilianische Schiedsrichter hatte sie gegeben, nachdem der VAR ihn auf das Foul aufmerksam gemacht hatte. 

Ein eindeutiger Vorgang. Und auf eine Rote Karte steht mindestens ein Spiel Sperre. Balogun würde also gegen Belgien im Achtelfinale fehlen. So weit, so klar. Gestern aber begnadigte die Fifa Balogun plötzlich – ein ungeheuerlicher Vorgang. Sie verwies auf Artikel 27 des Disziplinarreglements und setzte die Strafe zur Bewährung aus. 

Der Verdacht liegt nahe: Hier greift der US-Präsident in den Sport ein – für sich schon ein Skandal, der an Zeiten erinnert, als Diktatoren entschieden, wer die Titel gewinnt. Und die Fifa lässt sich zu einer wahnwitzigen Entscheidung im Sinne des Gastgebers USA hinreißen. Das ist der viel größere Skandal. 

Trump konnte nicht anders, als seinen Erfolg sofort in die Welt zu posaunen: „Vielen Dank an die Fifa, dass ihr das Richtige getan und eine Ungerechtigkeit wieder gutgemacht habt.“ 

Über die Rote Karte gegen Folarin Balogun mag man tatsächlich streiten. Aber sie folgte nach einer genauen Prüfung durch diverse Schiedsrichter und wird in solchen Fällen niemals zur Bewährung ausgesetzt. Nur einmal, 1962, wurde die Sperre gegen einen brasilianischen Spieler aufgehoben, damit er im Finale auflaufen durfte – ebenfalls ein skandalöser Vorgang. 

Donald Trump erhielt schon Infantinos „Friedenspreis“

Es ist nun das eingetreten, was man vielleicht so nicht konkret befürchtet hatte – von Trump hätte man eher Einreiseverbote und Jagd auf Ausländer erwartet –, aber überraschend ist der Vorgang auch nicht. Dafür sind sich Infantino und Trump viel zu nah, spätestens nach all den Infantino-Besuchen im Weißen Haus und in Mar-a-Lago und nach der grotesken Verleihung des Fifa-Friedenspreises an den Kriegsherrn Donald Trump. 

Natürlich überlegt Belgien nun, Protest einzulegen. Und natürlich kommentieren andere Trainer und Experten das so, wie man es nur kommentieren kann: „Eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung“, nennt Norwegens Trainer Solbakken den Vorgang. Selbst Verantwortliche im US-Fußballverband sollen das Urteil ungläubig aufgenommen haben.

Die Entscheidung der Fifa bedeutet, dass nun jeder Verband nach Belieben Anwälte einschalten kann, um Schiedsrichterentscheidungen zu durchleuchten und rückgängig zu machen.

Von Trump und der Fifa gibt es bislang noch keinen Kommentar zu der Affäre. Man darf gespannt sein, ob Infantino die Gespräche mit Trump und dessen Einflussnahme bestätigt. Das wäre im Normalfall das Ende seiner Karriere. Aber bei diesen beiden Männern ist nichts normal.



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Author : Jan Christoph Wiechmann

Publish date : 2026-07-06 05:22:00

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